Es ist 20 Uhr an einem Samstag im Jahr 2023. Es ist mein 30. Geburtstag, und ich stehe allein in einem vollen italienischen Restaurant auf der Karaoke-Bühne, stocknüchtern, und jaule mich durch Robbie Williams’ „Angels“. Bis zu diesem Moment war Karaoke immer etwas gewesen, wozu ich mich niemals ohne den Einfluss von Alkohol getraut hätte – mitunter wegen meiner Angst davor, von anderen verurteilt oder ausgelacht zu werden. Aber da war ich nun, seit einem Jahr nüchtern, und genoss das wahnsinnige, euphorische Gefühl, mir meiner Handlungen komplett bewusst zu sein, umgeben von geliebten Leuten und Fremden zugleich, und das ohne auch nur den Hauch von sozialer Angst.
