Die Dokumentation schreckt nicht vor der Tatsache zurück, dass das Ausmaß der unmittelbaren Konsequenzen, die Morvan und Pilatus nach ihrem Auffliegen zu spüren bekamen, definitiv mit ihren vielschichtigen Identitäten als Schwarze Männer mit Migrationshintergrund zu tun hatten, die in einer Branche arbeiteten, die beinahe ausschließlich von älteren weißen Männern geführt wurde und ein ebenfalls größtenteils weißes Publikum erreichen wollte. Selbst auf dem Höhepunkt ihrer Karriere hatten Milli Vanilli keine echte Macht. Farian und die anderen Musikbosse, die Milli Vanillis Karriere mitaufgebaut hatten, waren die Puppenspieler, die das Aussehen und den Klang ihres Produkts bis ins Detail kontrollierten. Obwohl hohe Tiere beim Label – wie Clive Davis, Gründer von Arista Records – zwar vehement leugneten, von dem Betrug gewusst zu haben, ist es unmöglich, dass Milli Vanilli überhaupt existiert, geschweige denn so viel Erfolg gehabt haben könnte, ohne dass hinter den Kulissen alle Bescheid wussten.
